Der Herlin- Altar

Spätgotischer Flügelaltar aus der Werkstatt Freidrich Herlins, 1472.

Schmuckstück der Kirche ist der spätgotische Flügelaltar des überregional renommierten Nördlinger Altarbauers Friedrich Herlin, der 1472 vollendet war.  

Es ist einer der ganz wenigen gotischen Altäre, die heute noch an ihrem ursprünglichen Ort stehen.

Herlin lieferte Flügelaltäre für ganz Süddeutschland. So große Werkstätten wie die herlinsche waren arbeitsteilig organisiert. Friedrich Herlin hatte die künstlerische Gesamtverantwortung für den Entwurf des Altars. Die Schreiner- und Schnitzarbeiten, sogar die Ausführung der Gemälde, wurden an Spezialisten vergeben.  

Die geschnitzten Bilder

Der Altarschrein

Das Zentrum des geöffneten Altars bildet Maria mit dem Kind. Die Skulpturen am Herlin- Altar sind von herausragender künstlerischer Qualität. Sie wurden von einem oberrheinischen Meister in der Nachfolge Niclaus Gerhaerts geschaffen.  

Links steht der heilige Blasius im Bischofsornat, als "Hausvater" der gegenwärtige Nothelfer, bei dem die Besucher der Kirche im 15 Jahrhundert Hilfe suchten. Dargestellt ist, wie Blasius mit einem beherzten Griff in den Hals ein Kind rettet, das an einer Fischgräte zu ersticken droht. Rechts trägt Christophorus das  Christuskind durch die Fluten.

Die neue Malerei

Detail linke Altartafel innen: Unter den Fenstern Kotspuren vom Leeren der Nachttöpfe - als Hintergrund der Geburt Christi.

Künstlerisch war Friedrich Herlin auf der Höhe seiner Zeit. Er war der erste Maler in Süddeutschland, der in der damals hochmodernen realistischen Weise der niederländischen Maler Rogier van der Weyden und der Brüder van Eyck zu malen verstand.

Während die mittelalterliche Malerei bis dahin versucht hatte, die ewigen  Wahrheiten darzustellen, schaute Friedrich Herlin auf die Details und versuchte die Wirklichkeit abzubilden, wie sie vor Augen lag. Dabei scheute er sich nicht, die heiligen Geschichten in seine eigene Zeit mit ihren Schattenseiten und ihrer Unvollkommenheit hereinzuholen.

Die Außenseite des Altars

Werktagsansicht

Normalerweise waren die Flügel des Altars geschlossen. Auf der Außenseite sahen die Besucher Szenen aus dem Martyrium des Hl. Blasius, des Patrons der Kirche. Auffällig ist hier der ganz naturalistisch gemalte blaue Himmel. Herlin hat die Geschichte des Hl. Blasius in der natürlichen Welt verortet – mit all ihrer Grausamkeit. Allerdings, erklärt der Altar, ist die Welt mit dem blauen Himmel nur die Außenseite, die Oberfläche, der wirklichen Welt.  

Das Martyrium des Hl. Blasius

Die Tafeln der Innenseite

Wer dem göttlichen Kind huldigt, wird geadelt, wird zum königlichen Menschen.

Doch die Welt hört nicht an der Oberfläche auf. Sie hat eine Innenseite. Der Altar zeigt sie, wenn er geöffnet ist: hier strahlt der Himmel der Tafelbilder im goldenem Glanz der Herrlichkeit Gottes.

Durch die Gesamtkonzeption seines Altars zeigt Herlin, wie nahe Diesseits und Jenseits einander sind: wie Gottes Welt die Innenseite und der Kern der natürlichen Welt ist.

Hier erzählt er von der Geburt Christi. Und macht deutlich, wie Christus, der menschgewordene Gott das Leiden der Menschen in dieser Welt durch sein Mitleiden adelt.