Die Baugeschichte der Kirche

Rekonstruktion: So könnte die Holzkirche in Bopfingen ausgesehen haben.

Kirche in Holzbauweise um 650

(im Plan blau)  

Die Geschichte der Stadtkirche in Bopfingen geht zu­rück bis in die Anfänge der Christianisierung im süd­deutsch- alemannischen Gebiet. Als 1980 eine neue Heizungsanlage eingebaut wurde, führte das Landes­denkmalamt Baden - Württem- berg im Innenraum der Kirche eine Grabung durch. Dabei wurden zwei Pfostengruben entdeckt. Da es sich um Innen­pfosten handelt, muss die erste Bopfinger Kirche eine Halle mit mehreren Pfostenreihen gewesen sein, also eines der wenigen größeren Kirchengebäude, die es damals gab.

Datiert werden kann die Holzkirche durch ein alemannisches Steinkistengrab aus der Zeit um 650, das ebenfalls bei der Grabung entdeckt wurde - wahrscheinlich das Grab des damaligen Ortsherrn, der sich taufen ließ und dann auf einem Hügel nahe seinem Hof diese erste Kirche baute.

Grundrissplan: Bauphasen der Stadtkirche Bopfingen

Keltisch- römische Göttin Epona an der Südmauer der Stadtkirche.

Erster Steinbau um 750

(im Plan rot)

Etwa 100 Jahre später setzten die Franken ihre Herr­schaft im alemannischen Gebiet durch. In diesem Zug wurde die Holzkirche durch einen Steinbau ersetzt. Als Baumaterial wurden behauene Quadersteine römischer Ruinen verwendet, die damals noch überall zu finden waren. Damit dokumentierten die neuen fränkischen Herren ihren Anspruch, mit Hilfe der katholischen Kirche das römische Reich fortzuführen.

Deutlich erkennbares Relikt eines römischen Gebäudes ist das Relief der kelto- romanischen Göttin Epona außen an der Südmauer. Die Göttin Epona wurde im „Damensitz“ auf einem Pferd sitzend dargestellt. Sie war Schutzgöttin der Pferde, Ställe und Reiter in der späten Römerzeit.

 

 

Romanisches Südportal.

Die romanische Kirche um 1100

(im Plan grün)

Etwa um 1100 ließen die Herren von Flochberg und Gundelfingen, denen Bopfingen damals gehörte, die seitherige kleine Kirche abbrechen und unter Verwendung der alten Quadersteine eine neue Kirche erbauen, die dem Geist der Erneuerung auch in der Architektur entsprach. Das Südportal dieser Kirche in den schlichten und strengen Formen der frühen Romanik ist bis heute erhalten.

 

 

Hochgotisches Kreuzrippengewölbe

Der gotische Chor um 1300

(im Plan orange)

Gut 150 Jahre später gewann die klösterliche Reformbewegung der Zisterzienser an Einfluss. So wurde 1267 im benachbarten Kirchheim am Ries ein Zisterzienserinnenkloster gegründet. Im Geist dieses neuen Reform - Ordens wurde dann auch der Chor der Bopfinger Stadtkirche im schlichten frühgotischen Stil neu erbaut. Der für eine Pfarrkirche ungewöhnliche flache Chorabschluss ist Ausdruck der bescheidenen Haltung der frühen Zisterzienser. Allerdings ist über die Nutzung der Kirche als Klosterkirche nichts überliefert. Die flachen Spitzbogen und die scharfkantigen Profile des Rippengewölbes sowie das Maßwerk der Fenster weisen darauf hin, dass der Chor um 1300 eingewölbt wurde. Der Schmuck des Chores war dann das damals unverstellt sichtbare dreigliedrige Ostfenster, das farbig bemalt war. In den folgenden gut 100 Jahren wurde das Kirchenschiff vergrößert und bekam nach und nach die verschiedenen Fenster. Am Maßwerk der großen Fenster ist schön die Stilentwicklung der Gotik abzulesen. Seither ist an der Bausubstanz der Kirche nichts wesentliches mehr verändert worden.

An den Fenstern der Südmauer lässt sich die Stilentwicklung der Gotik verfolgen.

Die Reformation

Der Treppenturm zur Empore am "Schlössleseingang"

Schon 1522 wirkte in Bopfingen ein reformatorisch gesinnter Prediger, der beträchtlichen Zulauf aus der Bürgerschaft hatte. Die Bürgerschaft forderte vom Rat der Stadt dessen Anstellung. Doch der Rat war vorsichtig. Schließlich war der Kaiser, dem Bopfingen als Reichsstadt direkt unterstellt war, war entschiedener Gegner der Reformation und die kleine Stadt Bopfingen hatte ihm nichts entgegenzusetzen.

Erst 1546 wurde Bopfingen endgültig evangelisch. Während der 20 Jahre, in denen beide Konfessionen miteinander in der Stadt gelebt hatten, hatten die Evangelischen gelernt, auch im neuen Glauben mit dem Herlin- Altar zu leben.

Von 1600 an wurde die Kirche jedoch den neuen Verhältnissen im Gottesdienst durch den Einbau von Bänken sowie einer Empore mit Treppenturm angepasst. Denn alle Bürger sollten Sitzplätze finden und konzentriert der Predigt folgen können.